Freitag, 24. Oktober 2008

Rutschender Sattel

Bis ich meine Stute zum Einreiten brachte, hatte ich nichts an ihrer Figur auszusetzen. Sie ist zwar nicht so schön wie ihre Eltern aber auch nicht hässlich. Der erste Kommentar des Ausbilders: "Vielleicht sollte man sie ohne Sattel einreiten. Sie hat ja keinen Widerrist, da wird der Sattel nach vorne rutschen.". Ja, nun wo er es sagte, sah ich es auch. Dazu war sie noch Überbaut, was dem Sattel zusätzlichen Drive nach vorn geben wird. Leider musste ich ihn darauf hinweisen, das Reiten ohne Sattel nicht möglich sein wird, da ich persönlich dieses Pferd nutzen möchte und meine bescheidenen Fähigkeiten in dieser Sportart solche Akrobatik ausschließen. Nach einigen Wochen Ausbildung war er dann der Meinung, die Sattellage hätte sich verbessert, hielt aber Einfahren immer noch für eine Alternative.
Nun kam das Pferd nach Hause und von meinen 2 Westernsätteln schien einer geeignet. Da das Pferd aber fast keinen Widerrist, wenig Schulter, sehr runde Rippen und einen Weidebauch hat, ist es immer wieder ein Abenteuer den Sattel an der richtigen Stelle zu befestigen. Dazu kommt noch Sattelzwang, auf Grund der Versuche den Sattel besonders streng zu gurten, damit nichts rutscht. Aber was soll den Sattel vom Rutschen nach vorne abhalten, wenn nicht der nicht vorhandene Widerrist ? Vielleicht ein Schweifriemen ? Davon hat man mir abgeraten, obwohl ich das sicherlich noch probieren werde, wenn die Ausbildung des Pferdes gefestigt ist.
Im Internet hole ich mir gerne Anregungen und Hilfe. Fürs Westernreiten auf "wittelsbuerger.de". Dort vertrat man die Ansicht, auch ein passender Sattel rutscht, wenn kein Widerrist da ist der ihn hält. Ein Vorschlag war: Reiten mit Sattel aber ohne Sattelgurt. Laut Diskussionsforum kein Problem, wenn man im Gleichgewicht sitzt. Kurzzeitig habe ich überlegt, ob ich statt Reiten nicht doch lieber Briefmarken sammeln sollte. Ich würde ja ohne festgezurrten Sattel nicht mal aufs Pferd kommen. Es gab aber auch praktikable Vorschläge. So zum Beisspiel die Verwendung rutschhemmende Pads und Gurte aus Neopren. Also bestellte ich mir ein dickes Neopren-Pad mit Filzoberseite. Unten weiches Neopren, welches bei Feuchtigkeit/Schwitzen des Pferdes am Fell anklebt und daher nicht mehr rutschen kann. Probeweise ritt ich meinen Traber mit dem Pad. Es lag tatsächlich wie angeklebt an der Stelle, wo ich gesattelt hatte. Mein Traber war aber nicht sehr zufrieden und ging ziemlich verkrampft. Ich hatte den Eindruck, das es das Pad unangenehm findet. Aber was hilfts, lieber ein nicht ganz glückliches Pferd, als einen Unfall oder ständiges Umsatteln, weil das gute Teil rutscht.
Der Schimmel ging nun von Anfang an recht zufrieden mit dem Pad. Es ist ja auch wunderbar dick und polstert sehr gut den Rücken gegen einen nicht ganz so geschickten Reiter. Dazu kommt, das es sehr pflegeleicht ist. Einfaches Abwaschen der Unterseite mit einem Schwamm und es ist wieder sauber. Kein Waschtag mit Gartenschlauch, Bürste und Schampoo incl. tagelanges Trocknen wie bei einem Kordell-Pad.
Eine Reiterin, ebenfalls auf Pferd ohne Widerrist, zeigte mir als Wunderwaffe ihr neues Pad mit Neopren-Waffel-Unterseite. Kostenpunkt ca 100,- €. So was schönes hatte ich nicht ! Mein Pad hat ja auch "nur" ca 50,- € gekostet. Die Waffelstruktur soll besser für die Haut des Pferdes sein, als das glatte Neopren. Zur meiner Verunsicherung trug auch noch bei, das mir eine andere Reiterin Probleme mit ihrem Neopren-Gurt schilderte. Nach einem Wanderritt, mit täglich mehrere Stunden tragen des Neopren-Gurtes, hat ihr Pferd in der Gurtlage alle Haare verloren. Aber auf dem Gebiet Neopren-Gurt hatte ich schon Erfahrungen gesammelt. Bei nicht so intensiven Reiten, alle 2 Tage 2-3 Stunden, wie ich es in der Regel betreibe, war der Gurt sehr gut zu gebrauchen, pflegeleicht, problemlos, bis uns nach 2 Jahren eine drückende Schnalle trennte, was ich unter normale Abnutzung verbuchte. Allerdings war das Schwitzen unter dem Neopren-Gurt doch stärker als unter Kordell.
Aber zurück zum Pad. Brauchte ich nun auch so ein Waffelstruktur-Pad ? Ist es besser für mein Pferd ? Nun sind 100,- € viel Geld und so eine Investition will gut überlegt sein. Also wieder Internet, Diskussionsforum. Dort war man von dem "Tacky Too" wie so ein Waffelstrukur-Pad heißt nicht 100% überzeugt und pries sogenannte Won-Pads an. Kostenpunkt eines Won-Pad ab 150,- € ! Was ist ein Won-Pad ? Meine Recherchen ergaben, ein ganz normales Neopren-Pad, allerdings mit einigem Schnickschnack, wie Lederverstärkungen, versehen. Also reite ich ja bereits sozusagen ein fast Won-Pad. So habe ich das Pad-Problem, genau wie das Zügelproblem erst mal auf die Hippoligica verschoben. Wenn es dann überhaupt Probleme sind, denn an die Seilzügel habe ich mich gewöhnt. Einziger Nachteil, ihr geringes Gewicht.
Und noch eine Erkenntnis aus dem Internet, bei meinen Pad-Recherchen stellte ich fest, das es für die Schrauben an den Westernzäumungen im Baumarkt einen extra Schraubenkleber oder -festiger zu kaufen gibt. Das gibt eine sichere, elastische und doch wieder lösbare Verbindung.
Ich finde das Internet ist eine feine Sache. Man ist schnell auf dem neuesten Stand, auch wenn man in einem abgelegen Dorf wohnt. Super!

Freitag, 10. Oktober 2008

Vertrauen oder Rotkäppchen und der Wolf

Gestern habe ich es nun gewagt allein - ohne die ersten 200 m Herrchen Begleitung - mit dem Schimmelchen in die Heide zu reiten. Eigentlich war es ja bereits das 5. mal in der Heide aber diesmal eben ohne Starthilfe. Ich habe mich an das Pferdchen gewöhnt und Vertrauen gefaßt. Sie hat es mir leicht gemacht, ist aber ganz anders, in fast allen Bereichen, als mein Traber. Erschwerend kam dazu, das ich in den letzten 5 Jahren nur auf dem Traber geritten bin und es mir am Anfang nicht leicht gefallen ist, mich auf das andere Pferd einzustellen, welches einen anderen Körperbau, andere Gangmechanik und nicht zu letzt einen anderen Charakter hat, als der Traber.
Nun war es also soweit. Zu Fuß über die Straße, dann noch ein Stück bis zur Pferdekoppel einer Bekannten, wo sich am Weg eine erhöhte Stelle zum Aufsteigen anbietet. Die Pferde der Bekannten kamen erwartungsfroh an den Zaun um das Schauspiel zu beobachten. Da gab es aber keine Probleme. Schwieriger war schon das Losreiten. Mein Schimmel dachte garnicht daran sich von der Stelle zu bewegen. Im Gegenteil, alle meine Bemühungen führten dazu, das sie den Rückwärtsgang Richtung andere Pferde und Elektrozaun einlegte. Was nun ? Die anderen Pferde mitnehmen ging nicht. Zurück wollte ich nicht, geradeaus streikte mein Reittier. Also links über eine kleine Wiese auf den nächsten Weg. Das klappte. Von diesem Weg ging es dann wieder auf den vorherigen und in den Wald. Das nächste Hindernis in Form von schwarzem Matsch, Reste einer Pfütze, tat sich auf. Wieder Streik ! Aber nun gab es keinen Umweg, da mußten wir durch. Was tun ? Erst mal Ruhe bewahren. Das Pferd hatte ja recht, sehr vertrauenswürdig sah der glitschige Untergrund nicht aus. Jeden Schritt vorwärts loben, bis sie dann zügig am Rand (mir schlugen die Sträucher um die Ohren) das Hindernis bewältigte.
Super, bis auf den Nieselregen der nun einsetzte, entgegen aller Prognosen der Wetterfrösche im Fernsehen. Aber was solls, versuchen wir mal Trab. Begeistert war das Schimmelchen nicht. "Du bist ein Araberpferd, und hast gerne zu rennen." erklärte ich schenkeldrückend dem trödelnden Pferd. Zähneknirschen als Antwort. Na gut, dann Galopp. Die Hilfen kann sie, springt auch sofort an und ist nach 3 Galoppsprüngen wieder im Trab. Was solls, dann eben Schritt. Unser letzter Ausritt ist 5 Tage her, davor war auch eine lange Pause, wir sind ja nicht auf der Flucht. Trotz Nieselregen begegnet uns Rotkäppchen mit einem Korb. Den kleinen Plausch über das Wetter nutzt mein Pferd zu einer Inspektion des Korbes. Kein Kuchen, nur Pilze stellt der Schimmel enttäuscht fest und freut sich über eine Streicheleinheit von Rotkäppchen. Vielleicht sollte ich bei meinem nächste Reithelm auch die Farbe Rot wählen um besser gesehen zu werden?
Schon wieder eine Pfütze. Diese ist riesengroß und permanent. Genug Platz an der Seite vorbeizureiten, was wir auch schon 4 mal bei vorherigen Ritten getan haben, aber nicht heute. Steigen, buckeln, Rückwärtsgang. Auch die Umrundung auf der anderen Seite abseits des Weges ist keine Alternative. Also steige ich ab und führe an der Pfütze vorbei. Sie äpfelt aufgeregt, also wahrscheinlich kein Schauspiel, irgendwie ist heute nicht ihr Tag. Ich gurte nach und steige wieder auf. Der nächste Trab klappt besser, aber als ich wieder im Schritt bin stelle ich fest, das sich der Sattelgurt gelockert hat und nur noch durch eine Schlaufe gehalten wird. Da war beim Nachgurten der Dorn nicht richtig im Loch. Scheiße ... Was nun ? Das Absteigen vom Westernsattel ohne Benutzen der Steigbügel ist fast unmöglich durch die hohen Aufbauten (jedenfalls ab 40). Verlagere ich aber Gewicht in einen Steigbügel rutscht der Sattel mit Sicherheit zur Seite und damit unter den Bauch des Pferdes, ich könnte im Bügel hängenbleiben und mein Pferd mit Sattel unter dem Bauch in Panik geraten. Also wieder Ruhe bewahren. Ich halte an und versuche von oben an den Gurt zu kommen, keine Chance. Ich nehme die Füße aus den Steigbügeln und versuche abzusteigen. Geht nicht. Also lasse ich einen Fuß im Steigbügel, stütze mich mit den Händen auf den vorderen Teil des Sattels und nehme den anderen Fuß vorsichtig auf die Kruppe des Pferdes und das Cantle, dann den Fuß aus dem Steigbügel und ohne den Sattel zu verrutschen Abspringen. Das gelingt und ich atme erleicht auf, die Aktion hätte gewaltig schief gehen können. Natürlich wird das Pferd mit Leckerli belobigt. Super, das sie so schön stillgestanden hat bei Frauchens akrobatischen Übungen auf ihrem Rücken. Sie hat mein Vertrauen verdient und eindeutig auch Vertrauen zu mir. Ich zurre den Sattel wieder fest und gehe ein Stück zu Fuß um mich zu beruhigen.
Vor uns Hufspuren, inzwischen bin ich wieder aufgesessen. Die Spuren sehen frisch aus. Sie könnten von gestern oder heute sein. Große Löcher, wahrscheinlich große Pferde. Mein Schimmel beschleunigt den Schritt, Pferde können auch Spuren lesen! Trab lasse ich nicht zu. Dann vor uns auf dem Weg zwei schemenhafte Gestalten, die sich tatsächlich als Reiter entpuppen. Sie biegen rechts ab, da wollen wir auch hin. Unsere Route ist mit Herrchen abgesprochen und daher unveränderlich, denn Handynetz um Änderungen nach Hause mitzuteilen gibt es in der Heide nicht. Da mein Reittier, angesichts von Leidensgenossen, aufgewacht ist sind wir auch im Schritt schnell bei den Reitern. Zwei Frauen aus dem Nachbardorf, denen ich mit ihren Pferden schon ab und an mit meinem Traber begegnet bin. Mit dem Braunen konnte ich problemlos passieren, ob das mit dem Schimmel auch geht ? Die Frauen, oder ihre Pferde, haben uns entdeckt und warten am Wegesrand. Wir begrüßen uns und ich erläutere schnell mein Problem (junges Pferd, kann die Route leider nicht ändern da kein Handynetz, muß hier weiterreiten), währen ich im Schritt passiere. Der Schimmel guckt zwar interessiert, ich auch, aber kein Zögern und keine Ansätze zur Verbrüderung mit der unerwarteten Pferdegesellschaft. "Kein Problem", rufen mir die Reiterinnen zu," wir lassen dir Vorsprung und machen keine Fisimatenten." (O-Ton). Zu Deutsch ich muß nicht befürchten, das sie mich im Galopp überholen. Ich bedanke mich erleichtert, reite im Schritt weiter und baue den Vorsprung im Trab aus. Auf mein Pferd bin ich stolz.
Nun geht es nach Hause und der Schimmel kann plötzlich galoppieren. Je näher die Heimat kommt, je fröhlicher wird mein Pferd. Zum Schluß legt sie noch einen schönen Buckler drauf, aus Protest gegen die Einschränkung des Galopptempos auf der Heimatgeraden, denn ihr ist eingefallen, das sie ein Araber und daher auch Rennpferd ist. Aber sie gehorcht und mäßigt das Tempo.
An dieser Stelle vielleicht interessant, ein schlauer Pferderatgeber empfiehlt dem Pferd beim Buckeln ins Gesicht zu sehen, dann könne man erkennen, am Gesichtsausdruck, ob es Ernst oder Spaß ist, das Buckeln. Ha Ha Ha ...
Sehnsüchtige Rückerinnerung: mein Traber hat auch gern gebuckelt, aber stets zu Beginn des Rittes, aus Freude über den bevorstehenden Ausflug, nie zum Schluß, aus Freude über die Heimkehr. Meine Pferde sind eben grundverschieden.
Um den Tag abzurunden erschien dann noch der böse Wolf. Ob er Rotkäppchen inzwischen gefressen hatte war nicht festzustellen. Als Pferdchen und ich noch überlegten ob er satt ist oder nicht erschien sein Herrchen und rief ihn zu sich.
Alles in allem ein schöner Ausflug. Ich hoffe mit dem Schimmel bald so zu harmonieren, das ich auch wieder die Natur genießen kann. Die Grundlagen sind gelegt.

Montag, 29. September 2008

" Be strict - im Sattel " Mit Konsequenz zum sicheren Pferd

Ich versuche ständig meine Englisch zu verbessern. Aber dieses Post soll sich eigentlich mit Büchern über das Freizeitreiten befassen, nicht mit dem erlernen der englischen Sprache. Ich weiss garnicht genau ob ich das Buch von Michael Geitner seit 2 oder 3 Jahren besitze, ich nehme es immer wieder gerne zur Hand. Es ist klar gegliedert und witzig geschrieben. Zudem enthält es viele Dinge, denen ich nach über 20 Jahren täglichen Umgang mit Pferden, ohne weiteres zustimmen kann.
Wenn ich dann meine Kenntnisse in der Theorie aufgefrischt habe versuche ich alles am und auf dem Pferd umzusetzen. Wie Ihr euch vorstellen könnt kein einfaches Unterfangen, aber lohnend.
Z.B. hat sich eins unserer Pferde gerne vor der Arbeit gedrückt, oder es zumindest versucht, indem es sich im Schritt (also noch kein Härtefall) entfernte wenn ein Mensch mit Halfter auf die Koppel kam. Die Koppel ist ca. 1 ha groß bei höherer Gangart wären wir chancenlos. Seit wir in Anlehnung an Geitner darauf bestehen, das er immer einen Schritt auf uns zu kommt, wenn wir auf die Koppel kommen und Weidebricks o.ä. verteilen hat sich auch das Halfter-Arbeitsproblem erledigt.
Auch das Stillstehen beim Putzen und satteln lohnt sich zu üben, mein Traber macht das inzwischen vorbildlich. Ich hoffe irgendwann hat das auch der Schimmel begriffen und mein schöner Sattel liegt nicht laufend im Dreck. Diese Beispiel zeigt mir aber auch, das ich vielleicht doch etwas überlesen habe und das Buch heute abend noch mal zur Hand nehmen sollte.

Freitag, 12. September 2008

Ein Jäger aus Kurpfalz ?

Wie der Titel schon andeutet, hatte ich heute eine Begegnung der besonderen Art, doch ganz anders als erwartet.
Aber von Anfang an: Ich war wieder mit meiner kleinen Schimmelstute unterwegs. Im Baumarkt hatte ich mir neue Zügel besorgt (2 Stück 2,50 m Hanfseil a 2,00 €) und wollte nun ihre Eignung als geteilte Lenkhilfe testen. Ich hoffe im Dezember auf der Hippoligika was besseres preisgünstig erwerben zu können. Die Seile sehen super aus, liegen aber nicht so gut in der Hand wie Leder, sind rau und pieksig (hätte ich noch mal die Wahl würde ich die gewachsten nehmen, auch wenn die nicht so fetzig aussehen). Ansonsten haben die "Zügel" den Test bestanden und bis zur Hippologika wird es wohl gehen.
Wir traben also so schön durch den Wald, grüßen freundlich einen Pilzsammler, der auch zurückgrüßt, was mich freut weil ich dann auch sicher bin, das Pferdchen die durchs Unterholz kriechende Gestalt als Mensch einordnet und nicht eventuell als Säbelzahntiger.
Am liebsten habe ich Pilzsammer die sich laut unterhalten. Zwei mit schweren Körben beladenen Damen habe ich am letzten Wochenende mit Lob überhäuft wegen ihrer lauten Unterhaltung. Dieses Lob wurde dankbar aufgenommen, die Damen haben mir gestanden, das sie unsicher waren, wie sie sich bei der Begegnung mit Reitern/Pferden verhalten sollten. Ein Schwätzchen mit Passanten ist immer angebracht.
Wir traben also schön vor uns hin, als mitten auf unserem für Autos gesperrten Waldweg ein grünes Auto steht. Kurzer Blick, aha der Förster, oder besser 2 Förster die sich an den offenen Autotüren unterhalten. "Kein Problem" erkläre ich dem Schimmel "wir gehen dran vorbei". Mein bis dato immer gehorsames und mutiges Pferd war aber, zu meinem Erstaunen, anderer Meinung und kündigte 10 m vor dem Auto die Mitarbeit. "Da gehe ich nicht vorbei" waren ihre Worte. "Das ist doch nur ein harmloses Auto, sowas fürchtest du doch sonst auch nicht " argumentierte ich dagegen. Nun mischten sich auch die Förster in unser Gespräch "Am besten sie nehmen den anderen Weg (wir waren an einer Kreuzung) wenn sie an uns vorbeireiten bekommen sie Probleme". Mein Pferd schlug mir gerade den selben Weg vor, der auch von den Förstern favoritisiert wurde."Probleme hab ich schon." erklärte ich (war ja auch nicht zu übersehen gerade versuchte meine Stute eine Kehrtwendung in die andere Richtung) "das Pferd ist jung und muß lernen. Gibt es denn eine Grund warum ich an ihnen nicht vorbeikann, Baumfällung oder so ?". Das wurde verneint. Also Augen zu und durch. Ich wäre auch abgestiegen und hätte das Pferd an dem Auto vorbeigeführt, aber vorbei mußte es. Schließlich hat die Kleine es eingesehen und ging diszipliniert wenn auch aufgeregt an dem Auto vorbei. Nun konnte ich den Grund der Weigerung meines Schimmels erkennen. Durch die offenen Autotüren wurde ein Anhänger verdeckt auf dem totes Damwild lag. Meine Förster waren also gar keine Förster sondern, in diesem Fall, Jäger. "Jetzt weiß ich warum mein Pferd nicht an ihnen vorbei wollte, sie hat das Blut gerochen." "Genau" sagte der Jäger, "deshalb hatten wir ihnen ja auch den anderen Weg vorgeschlagen."
Mir gab die ganze Geschichte dann doch zu denken. Niemals hätte ich gedacht, das Pferde so einen guten Geruchssinn haben und auf die Entfernung Blut riechen können. Ich habe nichts gerochen. Vielleicht ist das auch die Erklärung für manches Problem, welches ich mit meinem Traber an bestimmten Stellen im Wald hatte.
Und noch etwas anderes habe ich gelernt, Jäger sind nette Menschen (trotz manchmal komischer Schilder im Wald - siehe Post vom letzten Herbst) und begegnen Reitern freundlich.
Was hat mein Pferdchen gelernt ? Frauchen ist der Chef und wo sie mit langgeht ist es ungefährlich auch wenn es stinkt.

Freitag, 5. September 2008

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde ...

Nun habe ich mich doch entschlossen die Ausrüstung meines Trabers einzumotten (sprich reinigen, ölen, trocken lagern) und mich nur noch der Kleinen zu widmen. Vorher hatten mein Renner und ich noch 2 schöne Konflickt- und Sturzfreie Ausritte. Vielleicht ist es ja auch zu den Stürzen gekommen weil ich mich selbst zu sehr unter Druck gesetzt habe. Ein schlechtes Gewissen bleibt. Mein Brauner hat sich oft gefreut wenn ich mit dem Sattel kam. Doch beim Reiten steht für mich die Erholung, der Spaß im Vordergrund und zwei Pferde regelmäßig zu bewegen hat sich als Stress herausgestellt.
So habe ich Prioritäten gesetzt. Die Kleine muß mindestens 6 Monate regelmäßig geritten werden um die Ausbildung zu festigen, während der Traber nach 5 Jahren unter dem Sattel in einer Pause sicher nichts verlernt.
Bis jetzt läßt sich das Schimmelchen gut an. Herrchen begleitet uns die ersten 200m und dann sind wir alleine unterwegs. Über die Straße in den Wald trau ich mich noch nicht, aber auch auf der Luchseite sind einige Waldstücke (ich liebe Wald). Sollte sie mich dort im Stich lassen (was mein Traber nie getan hat), so kann sie nach hause laufen ohne über eine verkehrsreiche Straße zu müssen.
Der Ausritt gestern lief nun etwas chaotisch ab. Ich hatte keine rechte Lust überhaupt zu reiten, da es sehr windig war. Im Wald merkt man den Wind nicht, aber im Luch weht er besonders frisch und ist für jedes gesunde Pferd eine Herausforderung zum ebenfalls frischen Galopp. Als wir dann beim Satteln waren begann die Agrargenossenschaft im Luch mit der Strohabfahrt (viele große Maschinen von denen nur manche bei der Begegnung mit kleinen Pferden Rücksicht nehmen). Ich wollte nicht mehr reiten aber meine bessere Hälfte fand es doof nun alles Abzubrechen und morgen wieder anzufangen (wer weiß wie dann die Umstände sind ?). Ich habe mich breitschlagen lassen. Alles war wie immer nur mein Pferdchen etwas nervös. Wahrscheinlich hat sich meine Nervosität übertragen. Sie ist schnell mal angetrabt, was ich dann wieder zum Schritt durchparieren mußte, und im Trab angaloppiert, was ich nicht ganz so streng ahnde, aber wenn ich es ansage, dann muß aus dem Galopp Trab werden. Als ich merkte wie verkrampft ich bin habe ich als Gegenmaßnahme ein Liedchen geträllert. Das hilft man entspannt und so auch das Pferd. Wenn Euch also mal aus dem Wald "Ein Jäger aus Kurpfalz" entgegentönt (ich hoffe nicht allzu schräg) dann ist das wahrscheinlich ein ängstlicher Reiter. Alles lief besser als erwartet, auf der Brache am Waldsaum knackte es mal kurz im Wald, was zwei Schritte des Pferdes zur Seite (kein Galopp über die Brache) zur Folge hatte, beim 2. mal Knacken keine Reaktion des Pferdes mehr. Ich wurde mutig und trabte sogar, trotz Wind, auf der Brache den Waldrand entlang.
Noch eine Schleife durch den Wald und wieder ins Luch, den Sandweg nach hause, dachte ich ... Als gerade als ich aus dem Wald in den Sandweg einbiegen wollte ein lautes Geräusch (brechendes Holz) ertönte und eine dunkle Gestalt 10m neben uns erschien. Na toll, dachte ich, jetzt brechen die Pilzsammler schon Äste ab, und schon stürmte mein Pferd los. Glücklicherweise auf den Sandweg Richtung Heimat. Ich suchte mir eine sichere Position im Sattel und ließ sie laufen. Schließlich war die Flucht ja begründet, ich hatte das böse Gespenst auch gesehen. Kurzzeitige Ambitionen des Schimmelchens über die Brache zu flüchten konnte ich unterbinden. Plötzlich ertönte hinter uns ein Ruf "Schaaatziii" Pferdchen legte die Ohren nach hinten und wurde langsamer. Mir kam die Stimme auch bekannt vor. Ein zweites "Schaaatziii" und ich war mir sicher das randalierende Gespenst am Wegesrand war unser Herrchen. Wir parierten durch, drehten um und tatsächlich, den jungen Mann kannten wir. Im Schritt ging es nun zurück, denn wir hatten ja einen ordentlichen Vorsprung. Meine ersten Worte waren "Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde". Nach der Versicherung er hätte keine Äste abgebrochen sondern wäre nur aufgestanden, als er uns gesehen hat und dabei hätte er unabsichtlich das laute Geräusch erzeugt. Aus Sorge, wegen des Windes und der Maschinen, hätte er an dieser ungewöhnlichen Stelle auf uns gewartet, war ich ausgesöhnt. Die Kleine bekam von Herrchen ein Leckerli und wird nun in Zukunft vielleicht Gespenster erst mal genauer unter die Lupe nehmen (vielleicht geben sie ja Leckerli), oder auch nicht, schließlich ist sie Pferd und der Fluchtinstinkt ist ihr angeboren.

Dienstag, 2. September 2008

Ausrüstung von Reiter und Pferd


Was braucht der Freizeitreiter, incl. das Freizeitpferd, an Ausrüstung ?
Ich gebe zu ich bin ein Ausrüstungsfreak und habe lange gebraucht um von Martingal, Gamaschen u.ä. schönen Sachen, von denen ich mal der Meinung war es würde ohne nicht gehen, auf eine praktische Grundausstattung zurückzukommen. Z.z. bin ich beim Aufräumen meiner Schränke und versuche einige Teile im Internet wieder zu verkaufen.
Reiter:
Ich reite mit einer Jodpurhose/Vollbesatz von HKM aus Baumwolle mit ein wenig Elastik und 1 Nummern zu groß gekauft, damit ich mich darin bewegen kann. Gürtel, Messer, Handy, Leckerli, Taschentuch, kommen an bzw. in die Hose. Dazu Baumwollkniestrümpfe und Lacer-Boots (Schnürstiefel) die über die Knöchel reichen. Im Winter trage ich als Unterhose die Winterradlerhose von Aldi und Klimasocken. Am Oberkörper je nach Jahreszeit T-Shirt, Pullover, Treckingjacke (Tschibo) oder dicke Steppjacke, manchmal sogar eine wasserdichte Seglerjacke. Handschuhe nur im Winter, aber immer eine Sicherheitsweste und den Reithelm, unter den man im Winter noch ein Stirnband tragen kann, da die Größe des Helms verstellbar ist.
Pferd:
Meine Pferde reite ich mit Marken-Westernsättel. Auch ein Westernsattel muß dem Pferd passen. Man sitzt sicher und bequem, wenn der Steigbügel mal weg ist findet man ihn, durch die starre Aufhängung schnell wieder, die Fender schützen die Reithosen, so das man keine hohen Stiefel braucht. Das Auf- und Absteigen ist etwas anders als beim normalen Sattel, da man immer einen Fuß im Steigbügel hat. Das Pferd sollte also ruhig stehen. Auch das Gewicht des Sattels ist, beim Satteln und Tragen des guten Stücks, gewöhnungsbedürftig. Als Gurt hat sich bei mir ein mit Webpelz gepolsterter starker Nylongurt bewährt. Dabei ist wichtig, das die Schnallen auf eine ausreichenden Webpelzüberstand liegen um nicht zu drücken. Befestigt wird mit Leder- bzw NylonTieStrap, zur Sicherheit mit Lochung und der Gurt mit Dorn. Unter den Sattel reite ich das eine Pferd mit einem anatomisch geformten ganz normalen Westernpad mit Kordellunterseite. Das andere z.Z. mit Neopren-Filzpad. Dabei die Neoprenseite nach unten um einem Verrutschen des Sattels vorzubeugen. Abzuraten ist von Pads mit Widerristauschnitt, da diese am Widerrist zu Druckstellen führen können. Auf langen Ritten benutze ich ein Vorderzeug und gurte dann lockerer. Meine Pferde tragen Westerntrensen in die ich ab und an auch einen Sperriemen einschnalle. Vorsicht mit sog Chikagoschrauben wenn sie sich nicht vermeiden lassen tägl kontrollieren oder mit Klebeband sichern, die gehen sonst von alleine auf. Das eine Pferd geht mit einfach gebrochenen Kunststoffgebiß, das andere mit doppelt gebrochenem Edelstahl. Dazu benutze ich lange geteilte Zügel aus schwerem Leder.
Was braucht man noch ?
Ab und zu Halfter und Strick (für die Pausen) und Hornpacktaschen (für Getränke, Fotoapperat, Karten u.s.w.).

Montag, 18. August 2008

Sturz vom Pferd oder doppelter Rittberger

Heute war nicht mein Tag, oder vielleicht doch ?
Trotz Nieselregen und negativer Regenradaranzeige von Wetteronline, suchte ich meine Reitsachen zusammen, schleppte alles nach draußen und holte meinen bewährten Traber von der Koppel. Bis ich im Sattel sitze und die Natur genieße eine gute Stunde Vorbereitung. Der Regen wurde wärmer und ließ schließlich ganz nach. Alles normal. Ich hatte eine Strecke von 12 km in 1,5 Stunden eingeplant. Die erste Galoppstrecke keine Probleme und die zweite, was eigentlich nur Trab werden sollte auch nicht. Durch die Schranke in den Wald wollte mein Guter aber heute nicht so recht und pendelte dann (im Schritt) von einer Wegseite zur anderen mit deutlicher Tendenz nach rechts. Wir passierten einen Pilzsucher der im Unterholz raschelte, und erreichten endlich unsere lange Tempostrecke. Der Weg ist fest, nur wenig steinig, einigermaßen übersichtlich wie gemacht für Galopp. Am Anfang lief alles gut, Trab-Galopp, dann ein plötzlicher Dreh nach rechts, mein Pferd hatte im Galopp die Entscheidung getroffen, doch mal hier, diese schöne Abzweigung zu nehmen (den Weg sind wir noch nie geritten) und das im flotten Tempo. Ich hatte keine Chance, 1:0 für das Pferd, also durchpariert kehrt marsch zurück zum Weg und weiter Trab-Galopp. Die nächste Abzweigung das gleiche Theater. Da ich nun aber schon damit rechnete wurde es nur ein Schlenker kurz vom Weg runter und wieder rauf, Frauchen diesmal Sieger, stand 1:1, mit der Schranke 2:1 für mich (man kann sich Statistik auch schönrechnen). Das war nun der Aufstand für heute, dachte ich, vor ein paar Tagen hatte er schon ähnliches versucht, und wieder Trab nun hat er ja wohl eingesehen wer hier die Richtung angibt. Leider hat mein Sportkamerad anders gerechnet und ist manchmal auch nachtragend. Keine 100 m weiter an der nächsten Waldkreuzung legte das Pferd zur Sicherheit noch ein paar Hacken um Bäume und wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht auch noch einen Buckler drauf (da Frauchen auf Richtungsänderung zum Weg bestand). Es ist mir noch gelungen vor dem Absturz das Pferd anzubrüllen, geholfen hat es aber auch nichts. Ich landete unsanft auf dem Allerwertesten.

... Glücklicherweise trage ich immer eine Sicherheitsweste. Als ich sie vor 3 Jahren erwarb kostete sie ein Vermögen. Aber ich kann Euch versichern sie ist jeden Cent wert. Die Marke ist "Racesafe", sie besteht nicht aus einem Panzer, sondern aus vielen einzelnen Teilen, die durch den Stoff verbunden sind. Durch Schnürung an den Seiten kann man sie verstellen. Anzuziehen durch einen Reißverschluß, Gewicht ca 900g. Die Weste engt nicht ein und entspricht allen Sicherheitsstandarts. Den Rücken mußte ich ein wenig kürzen wegen dem Cantle des Westernsattels. So eine Weste erspart einem eine Menge Schmerzen und man steht dadurch nach einem Sturz schneller wieder auf den Beinen. Selbstverständlich trage ich auch einen Reithelm, schließlich brauche ich meinen Kopf um Geld zu verdienen ...

Nun lag ich fluchend zu Füßen meines Pferdes, aber was solls, schnell aufgerappelt und wieder in den Sattel. Erst mal Schritt. Zum Glück beruhigt sich mein Traber genausoschnell wieder wie er sich aufregt. Was habe ich falsch gemacht? Es war nun schon mein dritter "Abgang" nach diesem Muster (April, Juni). Die zwei mal davor ohne Vorwarnung. Ich denke es ist eine Frage der Gehorsamkeit, vielleicht langweilt sich mein stolzer Renner aber auch, oder ob er sich überfordert fühlt? Da ich nun nicht die Absicht habe bis an mein Lebensende Schritt zu reiten, trabte ich wieder an, bestand auf "mein" Tempo und parierte zum Schritt durch wenn mein Renner tempomäßig eigene Vorstellungen durchsetzen wollte. Das klappte bis auf einen Ausrutscher seitens des Pferdes (kurzer Buckler, Galopp, dann aber gleich wieder Trab) ganz gut. Ich drehte um ritt in Gegenrichtung und wieder zurück, ließ über Stangen treten, kleine Volten u.s.w. Keine Wiedersetzlichkeit, nicht mal im Ansatz, er hatte sein Pulver verschossen, und war nun das liebste und gehorsamste Reitpferd. Denn Galopp habe ich trotzdem erst mal ausgelassen.
Zufrieden näherten wir uns unserem Ziel, passierten die ersten Häuser, als ich es hinter mir leise zischen hörte und plötzlich wieder im Dreck lag. Stolz überholte mich ein kleines Mädchen auf dem Fahrrad. 10 m vor mir hat sich mein Pferd nach dem Blitzstart wieder eingekriegt und starrte mit großen Augen ebenfalls auf das Fahrrad. Wir hatten es beide vorher nicht bemerkt. Nun hatte ich mein Pulver verschossen. Das letzte Stück nach hause ging ich zu Fuß. 2 mal an einem Tag vom Pferd fallen, ob das Alterserscheinungen sind ? Ich hatte eigentlich nicht vor so bald die Reiterei aufzugeben, aber nun war ich doch etwas demoralisiert, um nicht zu sagen dem Heulen nahe.